Anna Koschinski, Blogs sind nicht tot, Diskussionskultur auf Blogs, besser bloggen

Diskussionskultur auf Blogs: Nicht meckern, sondern besser werden!

„Blogs sind tot!“ Ich bin es echt leid. Alle paar Monate mal stoße ich irgendwo auf eine Diskussion, bei der es darum geht, dass Blogs nicht (mehr) relevant wären. Es folgt: Ein Aufschrei der früher-war-alles-besser-Fraktion, die sich darüber mokiert, dass die Diskussionskultur aussterbe und es „keinen Respekt“ mehr vor dem Content gebe. Dass es dafür aber eine „kostenlos-Kultur“ gebe, die Content nicht (mehr) wertschätze. Ich sage: Alles Blödsinn. Wer an etwas festhält, was früher einmal war, der wird halt abgehängt. Es gibt gute Gründe, warum Nutzer mit dem Content interagieren – und warum sie es nicht tun. Und anstatt darüber zu jammern, sollten wir uns fragen: Wie muss denn Content sein, damit Nutzer sich so sehr angesprochen fühlen, dass sie kommentieren und drüber reden wollen? Hier sind meine Gedanken dazu.

 

Neulich auf Twitter…

Anlass meines Texts ist eine Diskussion auf Twitter Anfang Januar. Da fragte Gabriel Rath (@gabrealness), ob denn überhaupt noch jemand blogge und ob nicht „alle nur noch posten“ würden.

 

 

Weil ich von Daniela (@bloggerabc) in die Unterhaltung eingeladen werde, sage ich natürlich auch meine Meinung. Daraus entwickelt sich dann eine Diskussion mit Bernhard Schloß (@schlossblog), unter anderem darüber, ob nun die „zurückgehende Diskussionskultur“ daran Schuld sei, dass „definitiv weniger gebloggt“ werde.

 

 

Und Bernhard empfindet meine Meinung als „grenzwertig“, wie er im Anschluss in einem Artikel über Diskussionskultur auf seinem Blog schreibt.

„Annas Antwort finde ich grenzwertig: „…für Anleitungen applaudieren viele nicht mehr…“. Es geht nicht um Bauchpinseln, sondern um Respekt. Und da zeigt sich die kostenlos-Kultur von ihrer schlechtesten Seite. Die Inhalte, der Content wird meist nur mehr konsumiert, weder reflektiert (zumindest nicht öffentlich), noch wertgeschätzt. Das ist zwar legitim, aber da ist auch ein Stück weit etwas verloren gegangen.“ (Bernhard Schloß auf seinem Blog bernhardschloss.de)

Ich möchte darauf gern antworten. Hier sind meine Gründe, warum wir keinerlei Erwartungen an unsere Leser haben sollten und warum „früher war alles besser“ in meinen Augen keine gute Basis für eine Debatte ist.

Austausch über Anleitungen?

Meine Aussage, dass niemand mehr für Anleitungen applaudiert, habe ich schon an anderer Stelle angebracht und ich unterstreiche das auch gern hier noch mal. Wir sind umgeben von Content. Überall, an jeder Ecke ist wertvoller (und auch mal nicht so wertvoller) Content. Texte, Videos, Audios. Wir geben unser Problem in die Suchmaschine ein und klicken uns durch, bis wir die Antwort haben.

Wenn ich nun wissen will, wie ich den Behälter von meinem Staubsauger abbekomme oder wie ich das Nummernschild von Mamas Auto wechsle, schaue ich ein Video. Das hat jemand gemacht, hat also Mühe und Zeit investiert. Will ich wissen, wie Content Marketing funktioniert oder das politische System der USA, dann brauche ich vielleicht länger.

Soll ich jetzt wirklich unter jedem Text, den ich lese, unter jedem Podcast, den ich höre, unter jedem Video, das ich schaue, kommentieren? Und: Was soll ich schreiben? „Danke“? Denn Anleitungen sind entweder gut, dann führen sie uns zur Lösung. Oder aber sie sind es nicht, dann klicken wir weg und suchen eine andere.

Aber da gibt es nichts zu diskutieren. Die Anleitungen, die auf meinem Blog sind, sind die Artikel mit den wenigsten Kommentaren. Denn: Mehr als „Cool, danke“ gibt es dazu nicht zu sagen. Das bedeutet aber nicht, dass ich den Text nicht wertschätze.

Wir sind umgeben von Wissen. Von Information. Dafür applaudiert keiner mehr. Wofür applaudieren wir stattdessen? Für gut präsentiertes Wissen. Für starke Meinungen. Für Emotion. Für Haltung hinter dem Text. Denn nur, wenn wir wirklich angesprochen werden, wollen wir in den Austausch, also mehr als Konsum.

Die sterbende Diskussionskultur und der Respekt vor Content

Bernhard meint, es ginge beim Kommentieren nicht um Bauchpinseln, sondern um Respekt. Ja wirklich? Ich möchte hier einmal kurz auf den Zweck von Blogs eingehen. Blogartikel – so sie denn gut gemacht sind – sind ein Angebot zur Kommunikation. Die Nutzer können kommentieren, müssen es aber nicht.

Als Anbieter von Blogs sind wir Dienstleister. Und als solche haben wir eine Aufgabe. Wenn wir wollen, dass unsere Nutzer mit uns interagieren, dann müssen wir unseren Content dementsprechend aufbereiten.

Das ist wie im Radio. Will ich die Aufmerksamkeit meiner Hörer, dann muss ich eben meine Inhalte so gut präsentieren, dass sie nicht weghören können. Ich muss neue Information bringen, unerwartete Formate, aufregende Geschichten und spannende Diskussionen. Nicht aber bloße Information.

Es geht um Haltung hinter der Information. Wenn die erkennbar ist, dann merkt das auch der Leser. Und kommentiert. Texte und Worte sind dann wie Magie.

Muss ich also Respekt haben vor jedem Stück Content im Web? Vielleicht. Aber drückt sich das dadurch aus, dass ich jedes Stück Content kommentiere, diskutiere (und damit „wertschätze“)? Nein.

Leser entscheiden darüber, welche Inhalte sie nur konsumieren und mit welchen sie vertiefend interagieren wollen. Und das ist gut so. Denn wir können nicht jedes Stück Content kommentieren (und wollen es auch nicht, oder?).

Die Zielgruppe abholen: Bloggen ist kein Selbstzweck

Wenn wir den Dienstleiter-Gedanken im Hinterkopf behalten, dann wird klar: Wer bloggt, schreibt für seine Leser, nicht für sich selbst. Es sei denn, er oder sie will gar nicht in den Austausch. Auch solche Blogger gibt es – auch in der Diskussion unter dem Tweet von Gabriel Rath:

 

 

Dieses Bloggen ist nicht besser oder schlechter, aber es ist beispielhaft für die Diskussion. Denn viele Blogger bloggen komplett an ihrer Zielgruppe vorbei. Da ist kein Mehrwert in den Texten, die Themen sind nicht auf die Leser abgestimmt. Texte sind Selbstdarstellung ohne Sinn und Verstand. Und sie enthalten auch keine Aufforderung zur Interaktion. Wenn diese Blogs dann keiner kommentiert, ist es doch kein Wunder.

Wir sind Dienstleister. Und wenn wir wirklich Interaktion wollen, wenn wir wollen, dass kommentiert, gelikt und geteilt wird, dann müssen wir unsere Texte für den Leser schreiben. Nicht für uns selbst. Und eben wirklich zur Diskussion anregen:

  • Mit einem überraschenden und klaren Call-to-action,
  • mit spannenden vertiefenden Fragen
  • und mit guten Anregungen für eine Diskussion.

Nur so werden Leser auch aktiv. Warum soll ich kommentieren, wenn es nichts zu diskutieren gibt?

Die verlorene Feedback-Kultur?

Ja, es wird mehr auf Social Media kommentiert als auf den Blogs direkt. Aber wenn wir das ändern wollen, dann müssen wir die Bedingungen ändern. (Lies auch den Artikel darüber, wie du mehr Kommentare auf dem Blog bekommst)

Warum kommentieren die Leute lieber auf Social Media? Weil es einfacher ist und weil man hier nahezu in Echtzeit diskutieren kann. Auf den meisten Blogs: Man muss da Daten eingeben, man muss ein Captcha ausfüllen und dann… Muss man warten, bis der Kommentar irgendwann mal freigeschaltet wird und vielleicht auch beantwortet. Und dann kriegt man es vielleicht nicht mal mit. Da ist doch ein Kommentar auf FB oder Twitter attraktiver, oder?

Und – wie ich ja oben schon betont habe – wir müssen es unseren Lesern sagen, wenn wir mit ihnen diskutieren wollen. Wo ist denn die Aufforderung, wo der klare Call-to-Action? Im Social-Media-Post, weil man sich da super viel Mühe mit dem Teaser gemacht hat? Prüf das doch mal für dich, denn ich sehe das immer wieder.

Und bloß weil das früher anders war, als man sich in der WordPress-Community noch gegenseitig folgte und im eigenen Reader eine Benachrichtigung bekam, wenn es einen neuen Post gab: Das jetzt ist doch nicht schlechter! Wir müssen uns nur daran anpassen, anstatt den guten alten Zeiten hinterherzutrauern. Wir müssen mehr auffallen: Mit relevantem, interessantem, berührendem Content, der gut präsentiert ist.

Nicht kommentieren ist das Ergebnis von Nicht-Beachtung

Dazu kommt noch: Nicht kommentieren ist gelerntes Verhalten. Wie oft hast du schon einen Kommentar geschrieben, ein Feedback, eine Rückfrage oder sogar eine Empfehlung und nichts kam zurück?

Ich habe das schon sehr, sehr oft erlebt. Nicht nur auf Blogs, sondern gerade auch auf Social Media. Ich bin begeistert von etwas, dankbar, berührt, will unbedingt etwas zurückgeben, schreibe einen langen Kommentar… Und es kommt nichts zurück. Gar nichts. Kein Herz, kein Daumen, kein Lächeln. Keine Reaktion.

Gerade „größere“ Accounts und Blogs haben gefühlt kein Interesse am Austausch. Der Funnel funktioniert auch ohne Rückmeldungen (vielleicht von schicken Testimonials abgesehen). Daher lassen sie Kommentare ins Leere laufen. Und ja, wenn ich mehrfach auf meine Kommentare keine Reaktion bekomme, dann überlege ich es mir beim nächsten Mal zweimal. Und im schlimmsten Fall übertrage ich die schlechte Erfahrung auch auf andere Blogs und Dienste.

Daher…

Packen wir uns doch alle mal an die eigene Nase!

Wann hast du das letzte Mal kommentiert? Auf einem Blog, auf Social Media, in einem Forum?

Da wird geschimpft, „man scheue Diskussionen“ (wer ist eigentlich dieser „man“?), aber wie oft nehmen wir selbst die Energie in die Hand und stürzen uns wirklich tief hinein in eine Diskussion? Stoßen sie an, stellen Rückfragen, bleiben dran?

So wie jetzt hier in dieser Diskussion vielleicht. Denn klar, ich hätte gern eine Antwort von Bernhard. Und ich hätte gern aussagekräftigeres Feedback als „grenzwertig“. Nicht nur als Linguistin, vor allem als Bloggerin.

Wenn wir Austausch mit der Community wollen, dann müssen wir ebenso aktiv werden. Wir müssen kommentieren, müssen anderen zeigen, dass wir da sind. Nur so machen wir auf uns aufmerksam. Aber erwarten sollten wir nichts. Nur ab und zu nach Feedback fragen, damit wir dem näher kommen, was unsere Zielgruppe wirklich braucht. Denn wenn wir ihr das geben, klappt es auch mit der Diskussion und dem Austausch.

Und jetzt du!

„In einer interessierten Community gibt es auch Austausch!“ – Das empfinde ich so und erlebe es auch. Hier auf dem Blog, aber auch auf Social Media. In meiner Schreibgruppe, auf FB, auf Twitter, auf anderen Plattformen.

Lasst uns doch den Blog-Ungläubigen beweisen, dass Blogs nicht tot sind und dass wir die Regeln von bloggen verstanden haben. Austausch geht nur über Haltung und echtes Interesse. Erinnerst du dich, als ich mal über Haltung und Werte gebloggt habe? Genau das ist der Punkt.

Daher lass mir bitte einen Kommentar hier, was du von meinem Text, meinem Blog oder dem Thema Bloggen generell hältst. Je ausführlicher du kommentierst, umso ausführlicher antworte ich dir auch! 🙂

 

Dieser Text passt ganz wunderbar zur Blogparade von Meike Leopold. Sie fragt nach der Relevanz von Blogs und ob Blogs ein Medium von gestern seien. Ich denke, meine Meinung ist klar geworden. Bei Meikes Blogparade kannst du noch bis zum 15.02.2021 teilnehmen.

 

20 Kommentare
  1. Peter sagte:

    Hallo Anna,
    ich lese mich mal grade bei den anderen Teilnehmern der Blogparade von Meike durch die Blogs. Einiges von Dir kann ich unterstreichen – einiges aber auch nicht. Grundsätzlich stimmt aber der Satz: „nicht meckern, sondern besser machen!“ – und das ist das, woran es bei vielen Bloggern krankt. Das beginnt schon damit, dass jeder Blogger glaubt, SEIN Blog wäre der Beste, obwohl wir doch alle wissen, dass MEIN BLOG DER BESTE IST!
    Es gibt eine gewisse Betriebsblindheit. Das Thema schnelle 1:1 Interaktion (möglichst sogar in Echtzeit) mit dem Besucher/Leser ist etwas, was unterbewertet wird. Das ist das, was die Social Media Plattformen den Blogs voraus haben.

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  2. Jasmina sagte:

    Hi Anna, ich bin grundsätzlich deiner Meinung. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Häufigkeit der Kommentare auch vom Thema abhängen kann. Unter anderem schreibe ich schon lange einen Hundeblog. Da wird viel kommentiert, gefragt und ausgetauscht. Beim Thema Finanzen ist das schon etwas anders. Darüber schreibe ich auch. Hier wird weniger kommentiert, die meisten Rückfragen kommen dann aber doch per Mail. Ich schätze, dass das damit zu tun hat, dass das Thema für die meisten Leser sensibler ist bzw. sich „privater“ anfühlt und sich viele darüber nicht in einem offenem Kommentarbereich austauschen wollen, sondern den Weg über einen privaten Austausch per Mail suchen. Grundlegend stimme ich dir aber zu: Blogs sind definitiv nicht tot und in einer interessierten Community gibt es auch immer Austausch. Die Frage ist nur über welchen „Kanal“. Liebe Grüße Jasmina

    Antworten
  3. Horst Schulte sagte:

    Während all der vielen Jahre habe ich immer mal wieder ans Aufhören gedacht. Ich habe Blogs geschlossen, wiedereröffnet oder mit einem anderen Blog ganz neu angefangen. Immer in der Absicht, es besser zu machen. Content sticht. Das war, glaube ich, nie anders und doch kann nicht jede/r erfolgreich sein – auch nicht in diesem Metier. Einen Mehrwert bieten? Das sagt sich so leicht. Wenn man dran bleibt, gelingt immer mal wieder ein Artikel, der das zu bringen scheint. Und dann wieder…

    Bei Blogs stellt sich nun einmal die Frage nach der persönlichen Motivation mehr noch als bei anderen Hobbys. Ich habe kürzlich meine alten Bloglisten (Wayback Machine) durchgearbeitet und festgestellt, wie viele Blogs in den letzten Jahren von der Bildfläche verschwunden sind. Blogger müssen dran bleiben. Ob es reicht, jeden Monat einen Artikel zu schreiben? Es kommt wohl darauf an, welche Themen bearbeitet werden. Schreibt einer über WordPress – Tipps kann das gut gehen (Beispiele dafür kenne ich), hat man aber einen Gemischtwarenladen sieht das anders aus. Da kommt es schon auch ein wenig auf die Schlagzahl an, in der Artikel erscheinen. In einem persönlichen Blog können das auch mal ein paar Fotos sein oder eine persönliche Anekdote, die für die allermeistens ganz belanglos ist. Ich mache das so.

    Ein Blogger-Urgestein hat mal vor Jahren geschrieben, man soll als Blogger ruhig auch dann ein Thema anfassen, wenn man darüber in der einen oder anderen Form schon woanders gelesen hat. Wenn ich einen tollen Blogartikel gelesen habe, traue ich mich nicht unbedingt, das Thema selbst zu behandeln. Ich muss dann immer an diesen Satz denken (René von Nerdcore war es, wenn ich es richtig erinnere).

    In einer Hinsicht bin ich ein Fan dessen, was Bernhard angesprochen hat. Ich (67) sage auch gern, dass früher ™ alles besser war. Vor allem habe ich dabei die „sozialen“ Netzwerke im Sinn. Ich habe mich komplett davon verabschiedet. Dabei hatte ich auch mal über 5000 Follower bei Twitter und einige Hundert bei Facebook. Alles Quatsch. Braucht kein Mensch. Ich sehe ein, dass die „These“ angesichts der Pandemie etwas waghalsig scheint. Schließlich halten sich sicher viele während dieser Zeit damit kommunikativ über Wasser. Ich habe vor 1 1/2 Jahren endgültig damit Schluss gemacht und gehe so weit zu behaupten, dass unsere Demokratien nur durch die Zerschlagung dieser Netzwerke zu retten sind. Ich weiß, klingt wie eine Verschwörungstheorie. Aber ich hasse es, wie dort vorgegangen wird. Vor allem auch seitens der Unternehmen selbst natürlich. Wir werden das mit solchen untauglichen Konstrukten wie dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz nicht lösen, auch nicht auf europäischer Ebene. Die Unternehmen können diese Aufgabe nicht meistern und die Behörden ebenso wenig. Dafür ist die pure Zahl der Postings zu gewaltig.

    Genug gemeckert. Würde ich das Bloggen aufgeben? Im Moment nicht. Ich versuche es, besser zu werden. Ich antworte auf jeden einzelnen Kommentar, weil ich froh bin, wenn Kommentare kommen. Das ist bei den Themen, die mir wichtig sind bzw. über die ich blogge, nicht unbedingt selbstverständlich. Insofern bin ich Bestandteil einer zwar kleinen, dafür aber in jeder Hinsicht robusten und leidensfähigen Community.

    Antworten
    • Anna Koschinski sagte:

      Also ich finde, wir sind gar nicht so weit voneinander weg. Das mit dem Mehrwert ist eben eine Sache, auf die wir nur begrenzt Einfluss haben. Wir können noch so viel in einen Text hineinstecken – was der Leser am Ende wahrnimmt, können wir nicht bestimmen. Aber das finde ich auch gar nicht schlimm ehrlich gesagt. Denn es muss auch nicht jeder Artikel bombastisch sein. Kann auch gar nicht. Aber vielleicht jeder dritte oder vierte. Vielleicht auch nur dieser eine im Monat – ganz egal. Aber wenn wir wirklich Austausch wollen und die Motivation eben nicht bloß Sendungsbewusstsein ist, dann wird auch etwas zurückkommen, daran glaube ich ganz fest. Denn Leser erkennen eben doch die Absicht dahinter und auch die Haltung. Wenn ich nur verkaufen will und dafür halbseidene, langweilige Artikel schreibe, dann wird das über kurz oder lang in die Hose gehen. Aber wenn ich wirklich diskutiere und eben nicht nur am Leser vorbeischreibe, dann kann es klappen mit dem Austausch.

      Das mit der Schlagzahl ist so eine Sache, darüber können wir sicher lange diskutieren. Es kommt eben ganz darauf an. Ich habe auch gute Ergebnisse erzielt in Zeiten, in denen ich weniger gebloggt habe. Und manchmal habe ich fast das Gefühl, dass immer nur mehr der falsche Weg ist. Das kann ja auch niemand mehr konsumieren mittlerweile. Ich denke, das „wie viel“ ist wirklich sehr individuell und da muss jeder seinen eigenen Rhythmus nach seinen eigenen Zielen und Erwartungen finden.

      „[…] man soll als Blogger ruhig auch dann ein Thema anfassen, wenn man darüber in der einen oder anderen Form schon woanders gelesen hat.“ <- unbedingt! Das Thema an sich ist ja nicht verbraucht, bloß weil irgendwer darüber geschrieben hat. Ich möchte, wenn ich dir folge und deinen Blog lese, doch wissen, wie DU zu dem Thema stehst. Und wie DEIN Zugang dazu ist, deine Haltung, deine Strategie, deine Meinung. Also, da gehe ich absolut mit bei dieser Aussage. Wo ich nicht mitgehe, ist deine Meinung zu Social Media. Ich sehe sie als Tool, als Werkzeug. Und ja, natürlich haben sie sehr viel Macht. Zu viel vielleicht. Aber sie sind eben nicht als Konkurrenz zu Blogs zu verstehen, sondern als EINE ANDERE Form von Kommunikations-Tool. Sprache ist ein Werkzeug, CMS sind ein Werkzeug, um Sprache abzubilden. Und Social Media Plattformen ebenso. Das ist nicht per se schlecht, wir müssen nur darüber nachdenken, wie sie funktionieren und wer dahintersteckt und Geld verdient und vielleicht auch noch andere Dinge tut, um Einfluss auszuüben. Es ist eine Frage des Kommunikationsziels. Reflexion und Medienkompetenz sind hier das Stichwort, das ich gern häufiger lesen würde. Ich bin froh, dass Blogger wie du schon so lange dabei sind und so einen ganz anderen Zugang und eine ganz andere Biografie als z. B. ich mitbringen. Danke für diesen Einblick!

  4. Robert Ziege sagte:

    Hallo Anna,

    teils möchte ich dir applaudieren, teils sehe ich es völlig anders.

    So soll es sein.

    Vielen Dank für den Artikel, denn 1. fasziniert mich das Thema auch und ich lese gern darüber, 2. hat er mich zum Nachdenken über meine eigene Kommentar-Politik angeregt. Spoiler: Ich lasse keine Kommentare zu.

    Aber der Reihe nach:

    Auch ich finde Blogs immer noch wichtig, lese sie gern und mein eigener hat mittlerweile einen gigantischen Stellenwert für mich. Ich teile auch deine Ansicht, Meinungen wären wichtiger als Anleitungen und Fakten. Alle Fakten stehen bei Wikipedia, das muss niemand wiederholen.

    Was ich völlig anders sehe, ist der Zweck eines Blogs. Ich sehe sie eigentlich nie als Angebot zur Kommunikation (mit mir). Ein Blogartikel ist ein Standpunkt und damit im besten Fall eine Erleuchtung oder zumindest ein Gedankenanstoß. Wenn man darüber dann sogar (mit anderen) diskutiert, ist das prima. Direkt auf dem Blog finde ich das aber unangebracht.

    Soziale Medien sehe ich dafür als deutlich besser geeignet.

    Für mich ist ein Blog wie eine Bühne – ein Theater oder Konzertsaal. Man steht vor dem Publikum und trägt seine Kunst vor. Eine Diskussion findet da normalerweise nicht statt – vielleicht Backstage im kleinen Kreis, aber nicht als Teil des Hauptprogramms.

    Social Media dagegen ist wie die Fußgängerzone oder eine Kneipe. Dorthin geht man, um zu kommunizieren. Da finden viele Gespräche in alle Richtungen statt und nicht nur bilateral (Du->Leserin / Leser->Du), sondern auch übergreifend (LeserinLeser).

    Meine Einschätzung ist also folgende: Auf meinem Blog teile ich meinen Standpunkt mit. Das ist meine Art der Kunst, also von Natur aus subjektiv. Kommentare sind für mich die Möglichkeit, Feedback zu geben. Jeder muss selbst entscheiden, ob er das will. Ich will es nicht, weil ich es in dieser Form meist sinnlos finde. Wenn jedoch jemandem so viel daran liegt, dass sie/er mir wirklich konstruktiv und qualifiziert helfen will, dann freue ich mich über eine E-Mail.

    Wer über meine Inhalte diskutieren will (mit mir und anderen), der kann das gern in den Sozialen Medien tun.

    Ich freue mich auf den nächsten Artikel von dir und wenn du das so willst, dann gern auch wieder mit Diskussion.

    Grüße
    Robert

    Antworten
    • Anna Koschinski sagte:

      Lieber Robert,
      danke für deinen Beitrag hier und für deine Sichtweise – sehr spannend für mich, denn ich sehe es wirklich völlig anders.

      Erst einmal: Genau, Fakten sind bei Wikipedia, auf den großen Magazinen, einfach überall. Aber unser persönlicher Zugang zu einem Thema, den gibt es eben nur bei uns. Wie Meinungen und Haltung zu einem Thema.

      Aber deinen Vergleich mit der Bühne finde ich holprig. Denn einerseits wird sehr wohl nach Premierenfeiern auch mal mit dem Ensemble diskutiert (und zwar vor Ort), andererseits diskutieren die Zuschauer in Kleingruppen den Stoff im Foyer oder während sie noch ein Getränk zu sich nehmen. Kunstausstellungen genauso: Mal kann man mit dem Künstler sprechen (so er denn noch lebt), mal kann man einem Vortrag lauschen oder an einer Podiumsdiskussion teilnehmen.

      Und einen weiteren Aspekt finde ich hier nicht berücksichtigt: Ein Theaterstück, eine Lesung oder eine Kunstausstellung sind nur für eine gewisse Zeit verfügbar. In dieser Zeit kann man dann den „Content“ vertiefen und diskutieren. Aber dein Blog ist langlebiger. Jemand, der einen Artikel Jahre später liest (also definitiv nach einer Spielzeit, selbst wenn das Stück noch mal wieder aufgenommen wird), hat also nun kaum mehr die Möglichkeit, den Inhalt zu diskutieren, wenn du Kommentare nicht zulässt. Um den Content zu diskutieren, müsste er deinen Text in den sozialen Netzwerken teilen und dich taggen, denn sonst würdest du es gar nicht mitbekommen.

      Dabei können doch gerade älter Kommentare einen wichtigen Teil des Diskurses ausmachen. Sie können das Thema weiterspinnen, vertiefende Fragen aufwerfen und Kontroversen sichtbar machen. Und indem wir als Autoren auf diese Diskurspartikel eingehen, positionieren wir uns – auch oder gerade über Social Media hinaus. Denn eine Diskussion auf FB oder Twitter hat eine Halbwertszeit von wenigen Stunden oder Tagen. Die Kommentare unter deinem Blog sind so langlebig wie der Blog selbst. Und auch dort können Leser untereinander diskutieren. Auf deinen Kommentar können hier schließlich auch andere Leser antworten.

      Aus all diesen Gründen sind Kommentare für mich wichtiger Bestandteil des Blogs. Sie zeigen, wie Leser zu einem bestimmten Zeitpunkt den Text rezipiert haben. Und wie daraus evtl. sogar neue Ideen und Diskurse entstanden sind. Das ist in meinen Augen mehr als sinnvoll. Oder glaubst du nicht, dass unsere beiden Kommentare hier eine wichtige Ergänzung zu meinem Text sind? 😉

      Ich freue mich auf weiteren interessanten Austausch. Und vielleicht ja auch mal wieder per Kommentar auf dem Blog.

      Grüße
      Anna

    • Anna Koschinski sagte:

      Liebe Edith,
      schön, dass du auch bei der Blogparade dabei bist! Und genau – es gibt zu jedem Thema spannende Geschichten zu erzählen, denn es geht um Menschen 🙂

  5. Tonia sagte:

    Mir geht es oft so, dass ich, wenn ich mir gerade eine gute Anleitung für irgendwas auf einem Blog durchlese, daran denke, wie viel Mühe sich der oder diejenige dabei gegeben hat. Und wenn er wirklich dazu auch noch persönlichen Style hat, der mir gefällt, klick ich mich zur Website durch und dadurch zum dazugehörigen Social Media Kanal… Aber ich kommentiere selten, einfach weil es mir zu umständlich ist oder weil ich sehe, dass schon jemand etwas dazu geschrieben hat… es aber nicht beantwortet wurde.
    Blogs zu Meinung und Haltung lese ich selten. Das bekomme ich dann wieder über Social Media mit. Aber selber schreibe ich gerne darüber.
    Was will ich jetzt damit sagen? Eigentlich nur, meiner Meinung nach sind Blogs überhaupt nicht tot… Sie sind nützlich in verschiedenen Nuancen… nur etwas umständlich zum Austausch… und ja, ohne deine direkte Aufforderung hätte ich nur ein Herz auf fb hinterlassen.

    Antworten
    • Anna Koschinski sagte:

      Hey liebe Tonia,
      danke für deine Einschätzung und Sichtweise. Ja, ich denke auch, dass viele es zu umständlich finden. Aber hey, Kommentare auf Blogs findet nicht nur der Blogger selbst gut, sondern auch die Suchmaschinen und vielleicht auch andere Leser, die sich durch die Kommentare scrollen, weil sie auf der Suche nach Ideen und Sichtweisen sind.

      Daher fände ich es toll, wenn du mal häufiger dran denkst, auch auf den Blogs zu kommentieren – der Austausch ist so auch dauerhafter als wenn er in Social Media nach einem Tag einfach vergessen wird. Vielleicht auch, wenn jemand nicht ganz so eindringlich darum bittet wie ich 😀

  6. Edith Leistner sagte:

    Liebe Anna,
    ich unterstreiche voll und ganz, was du schreibst. Bloggen ist für mich Austausch mit einer individuellen Zielkundin. Nämlich der, die jetzt gerade meinen Artikel liest. Wenn kein Kommentar hinterlassen wird, weiß ich noch nicht mal, dass mein Artikel gelesen wurde. Aber vielleicht sitzt irgendwo irgend ein Mensch vor dem Bildschirm und freut sich über meinen Artikel. Dieser Mensch soll sich wertgeschätzt fühlen, auch wenn er es mir nicht direkt sagt. Natürlich freue ich mich über jeden Kommentar und beantworte auch jeden. Aber ich erwarte es nicht. Abgesehen von dem direkten persönlichen Kontakt, der immer noch alle Kontakte über die sozialen Medien toppt, finde ich, dass bloggen ist die schönste Art, mit jemand in Kontakt zu treten.

    Antworten
    • Anna Koschinski sagte:

      Liebe Edith,
      danke für deine Gedanken. Bloggen ist Austausch – so ganz stimmt es ja nicht. Es ist ein Angebot zum Austausch. Denn es ist möglich und völlig legitim, dass unsere Leser nur konsumieren. Das bedeutet aber eben nicht, dass sie unseren Text nicht wertschätzen. Es bedeutet, dass sie nicht genug angefixt sind, dass das Kommunikationsbedürfnis nicht groß genug ist. Was auch immer es sein mag. Etwas zurückgeben, einfach nur sagen, dass man es gern gelesen hat oder aber Pläne, wie man das Gelesene am besten anwenden kann.

      Es ist eben eine Frage, ob der Text dieses Bedürfnis ausreichend triggert. Und wenn ja, entstehen die tollsten Diskussionen 😉

  7. Dagmar Recklies sagte:

    Hui, das war viel.
    Ein paar spontane Gedanken dazu:

    Ich blogge tatsächlich für die Leser und für mich. Ich habe mal irgendwo gelesen „Bloggen ist wie öffentliches Nachdenken“. Das trifft auf mich absolut zu.

    Ich empfinde eine Rückmeldung auf dem Blog tatsächlich schwieriger als auf Social Media. viele Artikel finde ich sehr gut, habe aber trotzdem nicht gleich einen substanziellen Kommentar. Dann nur „Toller Artikel“ zu kommentieren, fühlt sich zu flach an. Da wünsche ich mir tatsächlich eine Art Like-Button für Blogs. Ein schnelles Signal für „Ich habe es gesehen und mochte es. Danke.“

    Antworten
    • Anna Koschinski sagte:

      Naja, klar dass du auch an der Interaktion beteiligt bist, also jedenfalls deine Blogger-Persönlichkeit. Es ist eine Dreiecksbeziehung zwischen dem Thema, deinem Leser und dir. Aber wer nur für sich bloggt, der darf halt nicht nach Kommentaren fragen.

      Wegen der Rückmeldung: Dazu habe ich tatsächlich keine Idee. Hast du mal mein Video über Feedback gesehen? Da erkläre ich meinen Ansatz: Es gibt immer etwas zu sagen. Etwas Gutes. Und dieser Punkt ist dein Einstieg in die Interaktion. Ich lese Texte natürlich anders als du – wir lesen alle unterschiedlich. Aber Es gibt immer einen Punkt, an dem wir andocken können. Und mehr als diesen Punkt brauchst du nicht für eine Interaktion. Es muss nicht mehr als ein Satz sein – aber du hast natürlich Recht: „Toller Artikel“ ist eher nichtssagend, genauso wie „danke für dein Feedback“ 😉

  8. Bita Alibek sagte:

    Ich schaffe es nicht immer, den Input von dir direkt zu verarbeiten. Das braucht immer ein paar Tage. So wie auch dieser tolle Beitrag wieder total viel Inhalt hat.
    „[…]Das bedeutet aber nicht, dass ich den Text nicht wertschätze.“ Und genauso erlebe ich es auch, denn ich habe viele solche Texte, die wahrscheinlich schon wertvoll sind und „mehr“ geht bei mir einfach nur durch meine persönliche Dienstleistung.
    Qualität statt Quantität und selber Vorbild sein!

    Antworten
    • Anna Koschinski sagte:

      Ja, das kommt auch noch hinzu. Da braucht man vielleicht eine Weile, um den Inhalt für sich zu sortieren und dann geht es halt unter. Dennoch glaube ich, dass auch du dich in die Diskussion stürzen wirst, wenn du dazu Fragen oder Anregungen hast, die eben nicht warten können. Entweder gehst du dann hier in Interaktion, oder auf Social Media oder per PN. Letztlich ist aber der Weg egal – denn auf den Inhalt kommt es an und auf den Austausch. Genau, lass uns Vorbild sein für andere 🙂

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