Mehrwert beim Bloggen, Anleitungen schreiben, Leser überzeugen

Du musst einen Mehrwert in deinen Artikeln bieten: Was bedeutet das eigentlich?

Du willst einen Blog aufbauen? Dann müssen deine Artikel alle einen Mehrwert bieten!“ – Das hast du sicher schon an vielen Stellen gelesen und gehört. Aber: Was bedeutet das eigentlich? Was ist denn nun Mehrwert beim Bloggen? Kann ich bestimmen, welchen Mehrwert mein Leser aus meinen Artikeln zieht? Und: Wo genau muss der denn hin, der Mehrwert?

Viele Blogger verstehen die Idee mit dem Mehrwert falsch. Denn es ist eine gängige Annahme, dass Mehrwert beim Bloggen nur dann entstehe, wenn wir mit unserem Content die Probleme unserer Zielgruppe lösen. Das ist nicht ganz verkehrt, denn so funktioniert klassisches Content Marketing. Menschen haben Probleme und sie suchen im Web nach Lösungen, also Anleitungen. Sie stoßen auf einen Artikel oder ein Video oder auch einen Podcast oder eine Info-Grafik, die bestehende Fragen klärt. Aber das ist nur die erste Stufe…

Bloggen als Beziehungsaufbau

Da ist nämlich noch eine weitere Stufe. Da ist also ein Leser, der deinen Artikel findet und so Lösungsvorschläge für sein Problem bekommt. Jetzt können verschiedene Dinge passieren:

  1. Die Leserin findet keine Lösung für ihr Problem und geht wieder. Der Mehrwert wurde hier nicht erkannt.
  2. Der Leser hat seine Lösung und geht wieder. Der Mehrwert des Artikels war dann also die Problemlösung.
  3. Die Leserin findet eine Lösung für ihr Problem und denkt sich: Cool, mit diesem Blog möchte ich unbedingt in Kontakt bleiben – der ist hilfreich und witzig geschrieben. Der Mehrwert ist dann nicht nur die Problemlösung, sondern auch der Beginn eines Kontakts. Hier geht es um Vertrauen.
  4. Der Leser findet seine Lösung; es passiert aber noch mehr. Er mag die Art und Weise, wie du das Thema präsentierst. Und er fühlt sich vielleicht auch gut unterhalten. Außerdem ist er neugierig auf dich als Blogger, denn der Text hat etwas bei ihm ausgelöst. Hier gibt es nicht DEN EINEN Mehrwert, sondern der Wert funktioniert auf vielen verschiedenen Ebenen.

Was Content können muss

Wenn wir verstehen wollen, was Mehrwert beim Bloggen ist, dann müssen wir uns darüber klar werden, warum Menschen Blogartikel lesen. Klar, EIN Grund ist sicherlich, dass sie im Web nach Lösungen für ihre Probleme suchen. Aber es ist noch viel mehr…

Mehrwert beim Bloggen kann sein: Dein Leser …

  • fühlt sich unterhalten, hat Spaß.
  • findet Informationen, die er gesucht hat.
  • bekommt Ideen für die Lösung eines Problems präsentiert (Recherche und Antrieb für eine Verbesserung der Situation).
  • ist getriggert, emotional angesprochen, berührt.
  • geht mit dem Text mit und hat ein schönes Erlebnis.
  • lernt dich als Blogger besser kennen (Beziehungsaufbau und Neugier).
  • bekommt Informationen, um sich eine Meinung zu einem Thema bilden zu können.
  • kann sich mit dem Autor/der Heldin/dem Helden identifizieren und bekommt so Zugang zu sich selbst und den eigenen Ressourcen.
  • bekommt eine starke Meinung präsentiert und kann sich daran reiben bzw. mitgehen / fühlt sich bestätigt und angenommen.

Du siehst: Mehrwert beim Bloggen ist nicht nur Information und Lösungen für Probleme präsentieren. Es ist viel mehr! Und ja, natürlich – die erste Stufe ist die Information. Danach aber muss noch etwas passieren, denn wenn es allein bei der Information bleibt, entsteht kein Beziehungsaufbau.

Wenn du also nur auf Informations-Ebene schreibst, bleibst du nicht im Gedächtnis hängen. Jemand, der schöne Anleitungen schreibt, wird vielleicht gelesen. Aber er wird keine euphorischen Kommentare und Herzchen von seinen Fans bekommen. Daher brauchst du beides.

Wie bekommst du nun den Mehrwert in deine Blogartikel?

Zunächst einmal die ernüchternde Nachricht: Du kannst nicht bestimmen, welchen Mehrwert deine Leser aus den Artikeln mitnehmen.

Denn im Zweifel findet der eine Leser deinen Artikel informativ, der nächste liest deinen Text auf Beziehungs-Ebene und lernt etwas darüber, wie du zu deinem Thema stehst. Eine dritte Leserin hat einfach ein gutes Lese-Erlebnis, aber sie weiß schon alles über das Thema. Und so weiter…

Du kannst also den Mehrwert eines Textes nicht bestimmen. Du kannst nur EINEN Mehrwert in den Text geben. Was dann beim Leser ankommt, kannst du aber nicht steuern.

Diesen EINEN Mehrwert solltest du kennen, bevor du einen Artikel schreibst. Du kannst ihn schon vor dem Tippen festlegen. Es macht Sinn zu Beginn des Schreibprozesses EINEN Satz zu schreiben. Zum Beispiel:

„Mein Leser weiß am Ende dieses Artikels, was Mehrwert beim Bloggen bedeutet und wie er diesen Mehrwert clever in die Texte einbringt.“

oder

„Meine Leserin lernt in diesem Blogartikel drei Strategien gegen Schreibblockaden.“

oder

„Meine Leserin erkennt, was beim Bloggen wirklich wichtig ist, damit ihre Leser Texte gerne lesen und dranbleiben. Durch die ironische Darstellungsweise ist meine Leserin gut unterhalten und hat Spaß beim Lesen. Möglicherweise fühlt sie sich auch an ein paar Stellen ertappt und kann nun mit anderen Augen auf ihren Schreibprozess und ihren Blog schauen.“

oder

„Mein Leser lernt hier, wie er Überschriften schreibt, die geklickt werden.“

Wenn du diesen Mehrwert-Satz formuliert hast, weißt du auch genau, wann dein Artikel fertig ist. Denn dann hast du das Ziel ja ganz klar festgelegt. Es hilft dir also auch beim Schreiben deiner Artikel, wenn die Botschaft ganz klar ist.

Wo muss der Mehrwert hin?

Wie ich oben schon beschrieben habe, läuft der Erstkontakt meist über das Thema. Daher sollte dein Mehrwert auch schnell erfassbar sein. Denn: Wenn deine Leser deine Texte nicht finden, weil ihnen nicht klar ist, was sie bekommen, dann hilft der schönste Text nichts.

Daher: Mehrwert gehört schon in die Überschrift.

Die Überschrift ist ein Versprechen. Sie ist meist das Erste, das wir von einem Blogartikel wahrnehmen (und oft bleibt es auch das Einzige, denn wenn Überschriften langweilig sind, klicken und lesen wir nicht).

Eine gute Überschrift …

  • macht neugierig.
  • gibt ein Versprechen (auf Mehrwert / Nutzen).
  • gibt mir das Gefühl „Das muss ich wissen!“
  • suggeriert Insiderwissen (z. B. Fehler vermeiden).
  • weckt Emotionen:
    • berührt mich
    • irritiert mich
    • erleichtert mich
    • verwundert mich / lässt mich staunen

Die Überschrift ist also ein Versprechen. Sie muss deine Leser überzeugen, dass sie ihre wertvolle Zeit einsetzen, klicken und lesen sollen. Wenn du schon groß und bekannt bist, kann es sein, dass deine treuen Leser dich auch lesen, wenn die Überschrift nicht zieht. Aber gerade am Anfang lohnt es sich, der Headline besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

Wo muss der Mehrwert noch hin?

Mit der Überschrift köderst du deine Leser. Wenn sie dann da sind, wollen sie schnell Klarheit und Orientierung. Daher gehört der Mehrwert nicht nur in die Überschrift, sondern auch in die Einleitung zu deinem Blogartikel.

Wenn die Einleitung nicht klar zeigt, worum es in deinem Artikel geht, sind ungeduldige Leser gnadenlos: Sie gehen und suchen woanders weiter. Denn ein anderer – möglicherweise besserer – Text ist nur ein paar Klicks entfernt.

Also sorg dafür, dass dein Blogartikel einen starken Einstieg bekommt. Das gibt deinen Lesern eine Motivation, den Artikel weiterzulesen. Je mehr sie lesen, umso weniger stark muss dein Text sein. Denn irgendwann hast du mich als Leserin überzeugt. Aber wenn der Start schon missglückt, bekommst du keine zweite Chance.

Daher achte auf eine überzeugende Überschrift und einen starken Einstieg. Hier musst du bereits den Mehrwert kommunizieren, damit deine Leser wissen, was sie bei dir bekommen. Wenn du den Mehrwert dann versprochen hast, musst du ihn natürlich auch bringen 😉

Mehrwert beim Bloggen: Ausprobieren und lernen

Sei beruhigt: Nicht jeder deiner Artikel muss viral gehen. Und nicht jeder Blogbeitrag wird mit Kommentaren, Likes und Herzchen überhäuft werden. Aber mit jedem Artikel, den du schreibst, wirst du sicherer und besser. Mit jedem Feedback kannst du deine Botschaft klarer kommunizieren und deine Leser besser erreichen.

Schreib, hol dir Feedback ein, passe deine Strategie an, schreib wieder, verbessere dich. Es ist ein Prozess.

Vertrau dir und bleib dran. Es muss nicht alles perfekt sein, aber formulier deine Botschaft so, dass deine Blogartikel geklickt und gelesen werden. In einer angemessenen Sprache, mit einem cleveren Aufbau und indem du den Mehrwert da platzierst, wo er hingehört.

Wenn du Ideen und Anregungen brauchst, wie du noch besser bloggen kannst, dann lass uns reden! Gemeinsam können wir genau auf deine Texte und deine Routinen schauen. Buch einfach einen Termin mit mir!

3 Kommentare
  1. Valerie sagte:

    Hallo Anna,

    vielen Dank für diesen tollen Artikel. Insbesondere dieser Satz: „Zunächst einmal die ernüchternde Nachricht: Du kannst nicht bestimmen, welchen Mehrwert deine Leser aus den Artikeln mitnehmen.“ Es ist mir schon sehr häufig passiert, dass ich einen Beitrag veröffentlicht habe, den ich nicht 100 % gut fand. Meine Leser*Innen sahen das aber ganz anders und waren begeistert. Und dann gibt es die Artikel, auf die ich besonders stolz bin, für die ich lange recherchiert habe und bei denen die Produktion auch sehr lange gedauert hat – und kein Mensch interessiert es. Ich taste mich jedes Mal wieder ran. Schön, dass du das nochmal aufgegleist hast. Denn ich fand es gerade am Anfang sehr schwer, immer eine Lösung zu präsentieren. Das hat mich beim bloggen auch oftmals gehemmt.

    Liebe Grüße
    Valerie

    Antworten
  2. Carina sagte:

    Danke für den Beitrag, Anna. Der passt perfekt zu den Inhalten, mit denen ich mich diese Woche im SEO-Kurs beschäftigt habe. Bei mir gibt es so viele unterschiedliche Inhalte, dass ich verschiedene Leser abhole. Mal mit einem Rezept, mal mit einer Rezension und dann wieder mit ein paar Gedanken beim Kaffee. Nicht jeder bekommt hunderte Likes, aber ich schreibe auch nicht jeden Tag über die DSGVO

    Antworten
    • Anna Koschinski sagte:

      Und selbst wenn du das tun würdest, würde nicht jeder Artikel durch die Decke gehen… Das ist ja auch gar nicht nötig. Bei mir laufen auch nicht die Artikel mit den tollsten Tipps am besten, sondern die mit den starken Geschichten und Meinungen. Also… Es ist mehr als Anleitungen schreiben. Einen Blog aufbauen ist ein Gesamtkunstwerk 😉

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