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Wie Magie: So kannst du eine Verbindung zum Leser herstellen

Feedback ist für mich der Schlüssel zu besserem Bloggen. Das denke, sage und schreibe ich immer wieder. Aus den Rückmeldungen zum Text kann ich entnehmen, ob und wo ich meine Leser getroffen habe. Was macht der Text mit dem Leser? Berührt er, wühlt er auf, motiviert er, stärkt er, beschämt er, schreckt er ab oder schockiert er, triggert er den eigenen Erfahrungshorizont? Ein guter Text kann eine Verbindung zum Leser herstellen, er bewegt und erzeugt Aufmerksamkeit, lässt unsere Leser aktiv werden. Es entsteht ein Austausch. Manchmal sogar über das Thema hinaus.

Vor kurzem bin ich über die Blogparade von Sandra Wickert von Text and the City gestolpert. Sie fragt:

Glaubst du daran, dass Worte magische Kraft haben? Dass die richtigen Worte inspirieren, beflügeln, ja sogar ein gesamtes Leben ändern können?


Wenn wir jetzt „magische Kraft“ als hexhex mit Zauberstab und ominösen willensverändernden Zaubersprüchen verstehen, dann muss man Sandras Frage wohl verneinen. Aber wenn wir „magisch“ als Wirkung verstehen, dann ist es gar keine Frage mehr. JA! Natürlich sind Worte wie Magie, denn sie schaffen eine Verbindung zwischen Autor und Leser.

 

Was macht mein Text mit dir?

Kennst du das, wenn du einen Text liest und du möchtest die ganze Zeit nicken oder sogar laut „Ja“ rufen? Das geht auch bei gesprochener Sprache: Da hörst du einen Vortrag und du denkst „Ja, genau! Genau das!“ Jeder neue Satz, jeder neue Gedanke löst Zustimmung aus.

Oder aber: Du liest einen Text und fast jedes Wort stößt dich ab, ekelt dich vielleicht sogar. Du möchtest klar Position beziehen: „Nein! Das stimmt so nicht! Das ist zu krass / zu einseitig / zu simpel / zu populistisch!“

Und du kennst bestimmt auch Texte, die dich schlucken lassen, tief berühren. Texte, bei deren Lektüre dir die Tränen kommen, weil du den Schmerz des Autors oder der Akteure förmlich spüren kannst. Dich bewegt ein Text, ein Satz oder ein einzelnes Wort so sehr, dass dein Körper reagiert.



Anna, dein Text hat mich tief berührt

Vielleicht betreibst du deinen Blog als Basis für dein Content Marketing, also als Business Blog. Dann hast du möglicherweise den Gedanken: „Aber ich will meine Leser doch nicht zu Tränen rühren, sondern ihnen etwas verkaufen!“ Tatsächlich schließt das eine das andere nicht aus. Wenn du es schaffst, deine Leser auf emotionaler Ebene zu erreichen, sind sie vermutlich eher bereit, dich und dein Produkt oder deine Dienstleistung zu kaufen. Auf jeden Fall sind sie eher bereit, mit deinen Inhalten in Resonanz zu gehen, zu reagieren (mit Daumen und Herzen) oder zu interagieren (mit Kommentaren und Anregungen).

Denk an Film oder Werbung. An welche Werbung erinnerst du dich besser? Die, die dich zum Lachen gebracht hat, die dich verstört hat, die dich berührt hat? Welchen Werbespot würdest du auf Social Media teilen? Den mit der krassen Wirkung oder den mit der dichtesten Information? Oder aber, wenn dir Social Media nicht zusagt: Von welcher Werbung würdest du deinen Kollegen in der Kaffeepause erzählen und dich darüber austauschen wollen?

Es ist wie früher mit den Montagmorgen-Schulhof-Gesprächen. Welche Wette aus der beliebten Samstagabend-Show war denn meist Thema? Natürlich die, die spannend war und bei der es bis zuletzt nicht klar war, ob sie gewonnen wird. Die, bei der wir mitgefiebert haben. Denn da ist sie wieder, die Verbindung. Und die gibt es eben auch, wenn wir mit guten Texten kommunizieren.



Texten ist wie Flirten: Bloggen als Beziehungsarbeit

Kennst du das, wenn du jemanden neu kennenlernst (egal ob im Chat oder in der Disko) und du lauschst jedem Wort ganz intensiv, ganz aufmerksam. Das passiert nur, wenn du dich in den Worten wiederfindest. Wenn du Menschen triffst, die nicht „deine Sprache sprechen“, dann wird das nichts mit der Verbindung. Sprache ist auch ein Matching. Worte können zeigen „Ich bin wie du, ich verstehe dich“ oder aber sie bewirken, dass du dich eben nicht aufgehoben fühlst.

Vor kurzem habe ich jemanden über das Internet kennengelernt und er hat es innerhalb von nur vier Nachrichten geschafft, dass ich diesen Menschen unbedingt treffen wollte. Und zwar nicht, weil er so tolle Komplimente gemacht hat, sondern weil er schreibt wie ich denke. Ein Match. Eine Freundin von mir hat dann diese vier Nachrichten gelesen. Ihre Reaktion: Ein Stirnrunzeln, ein irritiertes Gesicht. Sie sagte: „Der ist aber kein Muttersprachler, oder?“

Hier hatte das Matching nicht funktioniert. Ganz offensichtlich sogar. Der Mann ist übrigens deutscher Muttersprachler und arbeitet im Kommunikationsbereich. Ich habe die Feinheiten und die Zwischentöne in seiner assoziativen Sprache erfasst, meine Freundin aber nicht. Es ist eben doch Magie: Worte können eine Verbindung zum Leser herstellen. Aber nur zu den richtigen Lesern.

Mit welchen Menschen möchtest du zusammenarbeiten? Welchen Menschen folgst du, welche Blogs liest du oder welche Bücher? Liest du die Bücher, die Literaturkritiker für empfehlenswert halten? Und findest du die dann immer lesenswert? Ich nicht. Es gibt Leser, die stehen auf korrekte Sätze, in denen jedes Komma an seinem Platz steht. Diese Leser mögen Texte nach dem Lehrbuch: Einen dynamischen Wechsel zwischen kurzen und langen Sätzen, bloß keine langen Absätze und Tippfehler sind ein No-Go. Andere lassen sich tragen von kurzen, assoziativen Sätzen, von Texten, die so geschrieben sind, wie die Gedanken gekommen sind. Es ist ein Matching.



Schreib wie du sprichst, schreib wie du bist

Wenn wir also Texte und Worte als magisch ansehen, weil sie eine Verbindung zum Leser herstellen, dann müssen wir uns selbst als Teil des Matching-Prozesses verstehen. Und wie beim Flirten auch plädiere ich dafür, dass wir möglichst ganz wir selbst sind und keine unnötigen Masken aufsetzen. Denn wenn wir einmal anfangen mit dem Schauspielern und den Masken, dann müssen wir das im Zweifel sehr lange aufrecht erhalten.

Vertrauen wir aber darauf, dass es für alle genug passende Leser gibt, dann müssen wir uns nicht verstellen. Die Leser, die deine Sprache sprechen, kommen dann magisch zu dir, wenn du authentisch schreibst und dich zeigst, wie du bist. Als Blogger haben wir dann nur noch die Aufgabe, über unsere Texte eine Verbindung zum Leser zu initiieren und zu halten. Weil wir schreiben, wie wir sind, wie wir denken, wie wir sprechen.

 

Eine Verbindung zum Leser herstellen ist gar nicht schwer!

Ich jedenfalls bin felsenfest davon überzeugt, dass Worte magisch sind. Aber nicht Worte von jedem für jeden. Meine sind es für meine Leser. Und je offener ich blogge, umso stärker wird das Match. Dann zeigt sich, dass meine Sprache, meine Worte andere Menschen berühren. Und ich merke mit jedem Feedback: Ja, genau so muss es sein. Ich kann durch meine Blogartikel eine Verbindung zum Leser herstellen, die in einigen Fällen über den Text und die Botschaft hinausgeht. Ist das nicht wunderbar? Wie Magie eben 😉

Machst du das auch? Fühlst du dich über deinen Content verbunden? Erzählst du auch mal Geschichten über dich und zeigst dich so, wie du bist? Abseits der vielen, tollen Informationen, die du deinen Lesern gibst?

Dieser Beitrag ist aus dem Impuls der Blogparade #wortesindmagisch von Sandra Wickert entstanden. Noch bis zum 19. Dezember 2019 kannst du auch mitmachen.

 

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5 Kommentare
  1. Steffi sagte:

    Hallo Anna!

    Heute hat mich eine Story auf Instagram getriggert. Die Userin fragte, was wir uns für das Neue Jahr wünschen. Abseits von steigenden Followerzahlen. Mir ist sofort der Gedanke gekommen, dass ich mir mehr Austausch wünsche. Ich wünsche mir Leser, die ich erreiche. Die mir Kommentare schreiben wollen. Die nicht nur ein Like dalassen, sondern die meine Fotos und Texte berühren. Wahrscheinlich spreche ich diese Menschen noch nicht genug an. Es ist einfach, immer alles auf die Faulheit der Leser zu schieben. Im Endeffekt sind meine Texte wahrscheinlich noch nicht magisch genug. Ich ziehe noch nicht genug die „echt interessierten“ an. Daran muss ich im nächsten Jahr arbeiten. Du hadt recht, Worte können magisch sein. Aber die Magie zu entfalten ist nicht so leicht!

    Antworten
    • Anna Koschinski sagte:

      Hi Steffi!

      Nein, niemand hat gesagt, dass es leicht ist. Aber ich glaube ganz fest daran, dass sich so etwas entwickelt mit der Zeit. Je mehr Ecken und Kanten wir zeigen, je mehr Angriffspunkte vielleicht auch, umso mehr werden sich die Leser ernst genommen fühlen. Sie merken dann, dass sie keine Fassade vor sich haben, sondern einen Menschen. Nähe entsteht ja auch im realen Leben immer dann, wenn wir Gemeinsamkeiten in den Geschichten der anderen entdecken. Das geschieht auf der Basis von Referenzerlebnissen und -gefühlen. Du wirst sicher immer mehr von den „richtigen“ Lesern ansprechen, je mehr du den Dialog wirklich anstößt. Mit harten Themen, mit Meinung, mit Emotion. Was dich bewegt, bewegt auch andere.

      Ich wünsche dir, dass es immer leichter wird
      Anna

  2. Margaretha Schedler sagte:

    Liebe Anna,
    ein so wunderbarer und wie immer authentischer Artikel von Dir. Vielen Dank dafür. „Bloggen als Beziehungsarbeit“ genau! Damit hast Du meine Türe geöffnet. Und natürlich magisch: Neulich hat zu mir jemand gesagt: „Von Ihnen geht eine MAGIE aus!“ So hatte ich mich noch nie gesehen. Ich nehme Deinen Impuls auf und versuche diese künftig in Worte zu verwandeln.
    Alle Liebe und Gute
    Margaretha

    Antworten
    • Anna Koschinski sagte:

      Liebe Margaretha,

      ich glaube, dass die Leser es wahrnehmen, wenn wir sie ernst nehmen. Das ist das Geheimnis. Wenn wir wirklich eine Beziehung aufbauen und auf Augenhöhe und mit Respekt und Wohlwollen kommunizieren, dann merken die Leser das. Und wenn sie sich wohlfühlen, dann steigen sie auch in die Kommunikation ein 🙂

      Ich wünsche dir viele Aha-Erlebnisse und viel Spaß beim Ausprobieren!

      Anna

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  1. […] Man könnte auch sagen: Du kannst es nicht allen Recht machen, du bist keine Avocado. Oder, wie Anna es eleganter ausdrückt: „Vertrauen wir aber darauf, dass es für alle genug passende Leser gibt, dann müssen wir uns nicht verstellen. Die Leser, die deine Sprache sprechen, kommen dann magisch zu dir, wenn du authentisch schreibst und dich zeigst, wie du bist.“ Annas kompletten Blogpost findest du hier. […]

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