Frau hält Zettel vor ihr Gesicht, auf dem steht "Who Am I? Wer bin ich?", Bloggerpersönlichkeit, Du bist nicht dein Blog

„Du bist nicht dein Blog!“ – Oder doch? Persönlich vs. privat #10minBlog

Wie viel über mich selbst darf ich auf meinem Blog schreiben? Persönliche Geschichten sind doch unprofessionell? Und mache ich mich damit nicht angreifbar? Bloggen ist immer ein Schritt in die Öffentlichkeit, wir geben etwas von uns preis und andere Menschen können unsere Geschichten dann lesen und sich ein Bild (von uns) machen. Immer schwingen da auch Ängste mit: Was, wenn mich die Leser nicht mögen? Was, wenn mich jemand angreift? Und was, wenn mir jemand schlechtes Feedback, vielleicht sogar eine schlechte Bewertung gibt? Natürlich ist diese Gefahr da. Aber in den meisten Fällen machen wir uns unnötig Sorgen. Denn egal was passiert: Du bist nicht gemeint.

 

Warum müssen wir überhaupt persönliche Geschichten auf den Blog packen? Ganz einfach: Weil wir uns darüber von anderen abheben. Nur durch unsere Persönlichkeit, unseren ganz speziellen Zugang zu unserem Thema, unsere Herangehensweise, machen wir uns einzigartig.

Das geht nicht, wenn du nur sachliche Anleitungen schreibst. Die werden von Google gefunden, aber nicht mit Herzen versehen. Das erreichen wir nur, wenn wir uns über die Geschichten mit unseren Lesern verbinden, wenn sie sich wiedererkennen und beschließen: Mit dem Blogger oder der Schreiberin möchte ich die Beziehung vertiefen. Ich möchte wiederkommen.

Persönlich vs. privat – warum du eine Bloggerpersönlichkeit brauchst

Wenn ich sage, dass persönliche Geschichten wichtig sind, um einen Wiedererkennungswert und eine Beziehung zum Leser zu generieren, dann meine ich keine tiefenpsychologischen Einblicke in deine früheste Kindheit. Ich meine auch nicht deine peinlichsten Erlebnisse, deine Familienverhältnisse und mit wem du ins Bett gehst. Ich meine die Persönlichkeitsmerkmale, die deine Arbeit ausmachen. Deine Haltung. Und die Eigenschaften, die dich liebenswert machen.

Denn ich will nicht, dass du deine Vorzüge in den Himmel lobst („ich war die fleißigste Schülerin, bin immer zuverlässig und stets gut gelaunt“). Das macht dich noch nicht interessant. Ich will wissen, was dir wichtig ist, welche Menschen du gern magst, wie du dir eine zukünftige (Arbeits-) Welt vorstellst und warum du eben genau so arbeitest wie du es tust.

Und ja, auch die Frage, wie du deinen Kaffee trinkst, kann ein Anknüpfungspunkt für deine potenziellen Kunden sein. Denn hier geht es nicht um Expertise, sondern um zutiefst menschliche Dinge. Indem du darüber berichtest, bewegst du dich auf Augenhöhe zu deinen Lesern und Followern.

Wenn du über deine Fachthemen sprichst, dann ist das nicht so. Dann bist du der Experte und die Leser sind die Lernenden. Diese Beziehung ist also hierarchisch. Indem du beide Ebenen bedienst, kannst du deinen Expertenstatus aufbauen und gleichzeitig eine Beziehung herstellen, die nachhaltig ist.

Die Informationen aber, die du rausgibst, sind eben nicht privat, sondern persönlich. Du entscheidest darüber, wie tief diese Information geht und welche Dinge deine Community von dir wissen soll. Und indem du hier ganz bewusst Information auswählst, erstellst du dir eine Bloggerpersönlichkeit.

Wie dir deine Bloggerpersönlichkeit in schwierigen Situationen hilft

Die Bloggerpersönlichkeit bist also nicht du. Sie ist eine Ansammlung der Informationen, die du bewusst ausgewählt und preisgegeben hast. Niemand, der deine Blogartikel oder Social-Media-Posts liest, kennt dich wirklich. Sie kennen nur deine Texte und deine Bloggerpersönlichkeit.

Warum ist das wichtig? Weil es dich schützt. Sollte dich tatsächlich jemand „angreifen“, dich beleidigen oder sonstwie merkwürdig ansprechen, dann kannst du dir sicher sein:

Du bist nicht gemeint.

Das ist der eine Satz, den du dir einprägen und immer wieder vorsagen solltest. Denn alles, was in der Content-Marketing- und Social-Media-Welt passiert, ist letztlich künstlich konstruiert. Und zwar von allen Beteiligten. Wenn du aber weißt, dass dein Kritiker oder die unzufriedene Leserin in Wahrheit nur mit deiner Bloggerpersönlichkeit kommuniziert, kannst du abends trotz der doofen Worte beruhigt schlafen.

Selbst Angriffe, die persönlich werden, sind keine Gründe für Frust oder Sorgen. Denn hier wird noch deutlicher: Es geht nicht um dich. Der Sender macht nur eine Aussage über sich selbst. Über dich kann er nichts sagen. Ist das nicht beruhigend?

Hast du dir bereits eine Bloggerpersönlichkeit erstellt? Bist du dir ganz sicher, welche Informationen du mit anderen teilst und welche du niemals veröffentlichen willst? Mach das ruhig, es gibt dir Sicherheit. Und die macht dich zu einem relaxten Blogger oder einer entspannten Schreiberin.

14 Kommentare
  1. Carina Schimmel sagte:

    Ich finde den Ansatz der Bloggerpersönlichkeit sehr gut. Auf meinem Blog geht es viel darum, wie ich das Leben sehe und verstehe. Da fließen meine Gedanken und Gefühle mit ein. Oft auch noch Unausgegorenes. Es ist eine tolle Form, mich ausdrücken zu können und gleichzeitig eine Inspirationsquelle zu sein. Allerdings auch manchmal herausfordernd tatsächlich den „Veröffentlichen“-Button zu drücken.

    Der Satz, der für mich den größten Unterschied macht in deinem Beitrag ist: „Du bist nicht gemeint“. Ich denke, das ist eine wichtige Erinnerung, gerade wenn Haltungen unterschiedlich ausfallen. Vielen Dank dafür!

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    • Anna Koschinski sagte:

      Ist auch mein Lieblingssatz. Denn was da an Reaktionen kommt, hat ja nun wirklich nichts mit uns zu tun. Maximal noch mit unserem Text, unserem Thema. Schön, dass ich dich hier getroffen habe, wenn dir der Ansatz weiterhilft.
      Sehr gern und liebe Grüße
      Anna

  2. Rosa sagte:

    Ein sehr spannender Ansatz, Anna. Die ‚Bloggerpersönlichkeit‘ ist ein sehr hilfreiches ‚Tool‘ fürs Bloggen – herzlichen Dank für diesen Input!

    Antworten
    • Anna Koschinski sagte:

      Liebe Rosa, danke für deine Rückmeldung – sehr gern! Dann hoffe ich sehr, dass du deine ausarbeitest und in Zukunft noch entspannter bloggst und veröffentlichst.

  3. Dagmar Recklies sagte:

    Die Bloggerpersönlichkeit ist ein wuderbar griffiges Bild.
    Mir haben diese beiden Überlegungen sehr geholfen:
    – Was würde ich auch bedenkenlos auf dem Elternabend anderen Eltern erzählen, die ich praktisch nicht kenne. Diese Dinge dürfen auch in die Öffentlichkeit des Internets.
    – Was ist definitiv nicht für die Öffentlichkeit bestimmt? Das kommt auf eine gedankliche Negativ-Liste und ich muss beim Bloggen nie wieder darüber nachdenken

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    • Anna Koschinski sagte:

      Danke für deine Gedanken dazu, liebe Dagmar. Ich denke, ich würde einige Dinge, über die ich schreibe, nicht auf einem Elternabend erzählen. Einfach weil das der falsche Kontext ist. Aber Bekannten, auch lose Bekannten, und Netzwerkpartnern würde ich meine Geschichten auch erzählen, wenn es zur Situation passt. Und ja, so eine Negativ-Liste habe ich auch. Da steht ganz klar, was tabu ist und bleibt 😉

  4. Anja Rödel sagte:

    Liebe Anna,
    DANKE für diesen Blickwinkel „Bloggerpersönlichkeit“. Das hilft mir sehr, dieses kleine Gespenst der Angst vor Angreifbarkeit im Zaum zu halten. Ich wähle tatsächlich schon sehr bewusst aus, was ich wie von mir preisgebe, aber zu abstrakt möchte ich ja auch nicht werden …
    Liebe Grüße
    Anja

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    • Anna Koschinski sagte:

      Liebe Anja,
      sehr, sehr gern! Denk dir wirklich immer wieder: DU BIST NICHT GEMEINT! Egal, was dir andere unter deine Postings oder Artikel rotzen – es geht niemals um dich, sondern um sie. Und wenn du weißt, dass du das klar abgegrenzt hast, wirst du ruhiger und entspannter beim Veröffentlichen 🙂
      Liebe Grüße
      Anna

    • Anna Koschinski sagte:

      Danke dir für dein Feedback – ich freue mich auch immer, von deinen Gedanken und Ideen zu lesen. Wenn es weitergeht, ist es die richtige Richtung 🙂

    • Anna Koschinski sagte:

      Liebe Margaretha,

      ja du hast viele persönliche Themen auf deinem Blog, daher würde ich an deiner Stelle schon schauen, dass du dein Privatleben sehr scharf dazu abgrenzt. Aber mit deinem Hintergrundwissen und deiner Persönlichkeit ist das doch kein Problem, oder? 😉

  5. Carmen A.J. Teemer sagte:

    Liebe Anna,
    dein Artikel kam genau zum richtigen Zeitpunkt. Habe die letzten Wochen begonnen mehrere Artikel zu schreiben. Und bin einfach nicht weiter gekommen. Wusste aber nicht woran es lag, da ich meine Themen total interessant finde. Dein Beitrag hat mir die Augen geöffnet. Ich weiß, woran es liegt: Meine halbfertigen Artikel basieren auf medizinischen Fakten aber die Beziehung zu meinen Lesern fehlt zwischen den Zeilen. Es gibt einen Artikel auf meinem Blog, den ich geschrieben habe, der davon handelt, warum ich überhaupt meinen Blog startete und genau da habe ich festgehalten, womit ich mein BlogPublikum versorgen möchte. Diesen drucke ich mir jetzt aus und lege ihn mir beim Schreiben an die Seite.
    You made my day.
    Deine Carmen.

    Antworten
    • Anna Koschinski sagte:

      Wow, danke liebe Carmen! Das freut mich total, wie sehr du von meinen Ideen und von meinem Content profitierst. Ich bin schon sehr gespannt, wie sich dein Blog weiterentwickeln wird – vielleicht ja auch mit Hilfe der Community 🙂

      Und ja: Behalte die Leser immer im Blick, sonst wird es eine sehr einseitige Kommunikation.

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