Junge Frau sitzt mit Laptop am Tisch und denkt über etwas nach, Symbolbild für interessante Gedanken, Lieblingsworte

Dieses Wort hat eine besondere Bedeutung für mich

Oha, ein einzelnes Wort soll ich hier beschreiben? Vielleicht werden einige der Teilnehmer*innen der Blognacht hier ins Schwitzen kommen, aber ich mag den Gedanken, dass Wörter für einzelne Personen eben ganz besondere Bedeutungen haben. Vielleicht, weil sie häufig benutzt werden. Oder weil wir dieses Wort in einem unüblichen Kontext verwenden. Vielleicht auch in einer besonderen Sprach-Bubble oder Gruppe. Wir sprechen ja unterschiedlich, je nachdem, wo wir gerade unterwegs sind. Mein Wort ist: Interessant.

 

Interessant! Ein Lieblingswort.

Vielleicht ist dieses Wort in einigen Köpfen sogar negativ konnotiert, denn es gibt dieses „interessant“, das Menschen manchmal sagen, wenn sie das Gesagte unsinnig finden oder schnell aus der Kommunikation aussteigen wollen. Nicht ohne mitzuteilen, wie überlegen sie sich fühlen. Dieses „interessant“ meine ich aber nicht.

Ich empfehle immer, „interessant“ als neues Lieblingswort aufzunehmen. Denn ehrlich gemeint sagt es: „Wow, Wahnsinn, was ich hier gerade erfahre, wie wertvoll, spannend, neu, krass, aufregend!“ Wenn ich also interessant sage, dann meine ich es auch so.

Interesse kommt natürlich aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „dazwischen sein“, „dabei sein“. Man versteht darunter um die „kognitive Anteilnahme respektive die Aufmerksamkeit, die eine Person an einer Sache oder einer anderen Person nimmt. Je größer diese Anteilnahme ist, desto stärker ist das Interesse der Person für diese Sache.“ (Wikipedia)

Interessant ist also etwas, das Interesse weckt, das mich (geistig) anzieht, fesselt, neugierig macht. Bei mir mit WOW!

Gerade da, wo ich nicht verstehe, wird es interessant.

Ich bin ja ein sehr neugieriger Mensch. Seit ich 2009 meine Trainer-Ausbildung gemacht habe, schaue ich ganz anders auf Menschen. Gerade beim Thema Lernen oder wenn es um Talente und Stärken geht, sind wir so verschieden – das fasziniert mich immer wieder.

Beim Thema Schreiben habe ich früher gedacht: Na ja, das haben wir gelernt, das macht man so wie ich das mache. Als ich mich dann mit dem Thema Schreibdidaktik und Peer-Learning beschäftigte, habe ich erkannt, wie unterschiedlich wir alle schreiben und unseren Stil entwickeln. Wie wir verschiedene Methoden und Strategien anwenden und natürlich auch mit verschiedenen Problemen kämpfen.

Jedes Mal, wenn ich wieder an so einem Punkt ankomme, denke ich mir: Interessant.

Interessant, wie die ihre Artikel konzipiert. Interessant, wie der seinen Schreibprozess gestaltet. Denn jeder und jede macht es ganz individuell. Klar, manche Themen und Probleme ähneln sich. Aber letztlich ist schreiben so individuell wie wir alle nun mal sind.

Ich finde das spannend. Daher lese und höre ich so gern Geschichten vom Schreiben. Vom kreativen Arbeiten. Vom Flow. Von Erfolg. Ach, ich mag einfach Geschichten von Menschen, die anders ticken als ich.

Wirkung von Text: Interessant.

Ich habe ja schon an verschiedenen anderen Stellen darüber geschrieben, dass wir nicht bestimmen können, was Leser aus unseren Texten mitnehmen. Der Raum für Interpretationen ist zu groß. Wir können nur so eindeutig wie möglich schreiben, damit die Leser den Mehrwert bestmöglich finden.

Wenn ich also einen komischen Kommentar (im Sinne von merkwürdig) bekomme unter einem meiner Texte, dann sage ich zuallererst „interessant!“

Und wenn mir jemand von Schwierigkeiten oder problematischen Erlebnissen erzählt, dann sage ich ebenso „interessant!“

Das ist völlig wertfrei, ich sage es mir mit einem echten Staunen. Interessant, wie mein Text bei dir angekommen ist! Interessant, welche Botschaft du aus meinem Text mitgenommen hast! Und interessant, wie du über mein oder dein Schreiben denkst!

So kann ich Abstand nehmen von vielleicht aufflackernden vorschnellen (emotionalen) Reaktionen und ich kann für mich neu sortieren, was ich mit der Info und dem Mensch dahinter anfangen möchte.

Grundhaltung im Leben: Interessant!

Mit meinem Wort im Gepäck komme ich wunderbar durch mein Leben. Hier darf alles sein. Dinge, die ich nicht verstehe. Oder solche, die ich anders mache. Gedanken, die mir fremd sind. Verhalten, das ich nicht einordnen kann. All das ist erst einmal interessant. Ganz ehrlich interessant.

In einem zweiten Schritt kann ich sogar noch sagen: Ist das nicht wunderbar? Denn ich finde es wirklich spannend, wie unterschiedlich wir ticken, wie anders wir unsere Welt sehen.

Ich kann das sogar, wenn jemand auf den ersten Blick unfreundlich ist. Dann kann ich sagen: „Okay, spannend, was ist da wohl los?“ Und entgehe so einem vorschnellen Urteil.

Und nein, ich bin nicht perfekt. Auch bei mir gibt es Trigger, die mich schnell wieder zu einem 8-jährigen Mädchen werden lassen. Aber ich werde immer besser darin, darauf nicht anzuspringen und trotzig loszumeckern, sondern mich zurückzunehmen und mir zu sagen: „Interessant, was hier gerade passiert.“ Ich beobachte mich dann selbst. Auch interessant.

 

Hast du ein Lieblingswort? Oder überlegst du gerade, ob interessant interessant für dich ist? Schreib mir hier einen Kommentar – ich möchte gern wissen, wie dein Lieblingswort lautet!

   
6 Kommentare
  1. Sabine sagte:

    Hallo Anna,
    Danke für die letzte Blognacht! Das ist zu einem festen Termin in meinem Alltag geworden, auf den ich mich jedesmal freue!
    Dein Artikel bringt mich zum nachdenken. Es würde wirklich nicht schaden, öfter mal „interessant“ zu denken, bevor man sein Urteil über jemand fällt. Meist verbirgt sich ein Schicksal hinter der unfreundlichen Fassade, das man meistens garnicht erkennt.
    Danke für den Anstoß!

    Freu mich schon aufs nächste Mal!
    Sabine

    Antworten
    • Anna Koschinski sagte:

      Hallo Sabine,
      ganz genau – wenn man es ganz extrem angehen möchte, dann darf man sich sagen: „Hinter jedem Verhalten steckt eine positive Absicht.“ Hört sich jetzt erstmal verrückt an, ist aber so. Der*die Handelnde würde es nicht tun, wenn er*sie das nicht (für sich) als positiv ansehen würde. Diese Absicht zu erkennen und anzuerkennen ist mein „interessant“. Danach kann ich entscheiden, wie ich weiter damit umgehe, denn ich habe Distanz geschaffen, die mir selbst meinen Handlungsspielraum vergrößert.

      Ich freu mich auf dich bei der nächsten Blognacht!
      Anna

  2. Inge Schumacher sagte:

    Liebe Anna,
    so wie Du nutze ich interessant auch, Bei mir gibt es noch eine Steigerung: Spannend.

    Ich habe mit vielen Klienten zu tun, die Sachen mit mir teilen, die wirklich unglaublich sind. Das ist total spannend und ich finde es toll, wenn sie mich in ihre Welt mitnehmen.

    Herzliche Grüße
    Inge

    Antworten
    • Anna Koschinski sagte:

      Liebe Inge,
      ja das benutze ich auch. Aber leider empfinden viele Leute auch dieses Wort als vermeintlich schnelle Reaktion im Sinne von „okay, super, weiter im Text“. Da muss ich manchmal sehr deutlich werden im Ausdruck und in der Stimme, damit meine ehrliche Neugier auch ankommt. Danke für deine Rückmeldung hier!

      Herzliche Grüße
      Anna

  3. Valerie sagte:

    Liebe Anna,

    das war wieder mal eine wunderbare Blognacht. Ich hab mich so gefreut, dass ich es geschafft habe, dabei zu sein.

    Dein Wort setze ich auch mit Neugier gleich. Ich finde es schön, dass du „interessant“ auch wirklich so meinst. Denn dieses „interessant“ mit einem vermeintlich zustimmenden Nicken, das kenn ich auch und du hast mich erwischt, für mich war „interessant“ bis gerade eben auch eher negativ behaftet. Mit deinem Text sehe ich es wieder positiver.

    Ich hab gestern deinen Impuls genutzt und mir ein Schreibziel von 800 Wörtern gesetzt. Leider bin ich nach 500 Wörtern nicht mehr weitergekommen und hab eine Nacht darüber geschlafen. Ich hoffe ich bekomme ihn dieses Wochenende fertig.

    Vielen Dank für die Blognacht, ich freu mich, wenn ich beim nächsten Mal wieder dabei sein kann.

    Liebe Grüße
    Valerie

    Antworten
    • Anna Koschinski sagte:

      Liebe Valerie,

      ich freue mich immer, wenn die kommen, die ich nur selten sehe. Aber ich freue mich genauso, dich auf Twitter zu sehen oder einfach deinen Blog zu lesen. Es muss einfach passen! Und ich finde es großartig, wenn du in der Blognacht 500 Wörter geschrieben hast, die die Basis für einen Artikel sind. Mehr muss es ja gar nicht sein. Freue mich dann genauso auf’s Lesen 🙂

      Liebe Grüße
      Anna

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