Sprachlosigkeit #10minBlog

Die aktuelle Situation ist nicht einfach – auch für uns, denn diese Situation betrifft die ganze Welt. Viele Menschen sind erschüttert und versuchen das auszudrücken. Ein anderer Teil postet, die Situation mache „sprachlos“. Dabei macht sie das wohl nicht. Denn dann wäre es viel stiller.

Nein, die Menschen sind nicht sprachlos. Sie sind vielleicht fassungslos, verunsichert, planlos, hilflos. Aber nicht sprachlos. Mir kommt es so vor, als seien sie lauter als zuvor. Aber sie schreiben leere Nachrichten. Sie gehen aufeinander los, positionieren sich für oder gegen. Die einen schreiben darüber, dass man doch etwas tun müsse, die anderen bitten um Zurückhaltung, weil wir doch eigentlich alle nicht wissen, was jetzt zu tun ist. Es ist sehr laut.

Wir sind nicht sprachlos und ich frage mich, ob Sprachlosigkeit nicht die bessere Wahl wäre. Denn dann wären diejenigen laut, die wirklich etwas zu sagen haben. Dann wären meine Timelines nicht voll von Kämpfen darüber, wie wir jetzt mit der Situation umgehen sollen.

Würden wir anerkennen, dass wir alle nur das tun, was wir für richtig halten, dann wäre doch schon viel gewonnen. Dann wäre all das Laute nicht nötig. Die Wut, die Ohnmacht, der Zorn und die Verunsicherung dürften dann da bleiben, wo sie sein dürfen. Bei uns. Nicht auf Twitter oder anderen Netzwerken.

Dann müssten wir nicht schreiben „ich bin sprachlos“, sondern vielleicht eher: „Ich bin verunsichert und suche einen Weg, damit umzugehen. Ich kenne ihn aber noch nicht. Daher suche ich nach Verbindung, weil mich das stärkt. Das ist der Grund, warum ich hier poste.“

Und vielleicht wäre es stiller. Weil die, die wirklich sprachlos sind, einfach nichts sagen. Ich bin übrigens seit Tagen still, nur noch passiv unterwegs. Vielleicht sprachlos. Denn was könnte ich schon sagen, das nicht belanglos ist angesichts der aktuellen Situation?

Ich mache weiter. Wie so oft. Und ich habe keine Ahnung, ob das richtig ist. Für mich ist das gerade der Weg, den ich gehen möchte.

   
4 Kommentare
  1. Amrita sagte:

    Liebe Anna,
    herzlichen Dank für deinen Beitrag. Es tut gut, zu lesen, dass auch andere weiter machen.
    Ich mache auch weiter, suche jeden Tag etwas, was ich zu Frieden beitragen kann. Oft finde ich. Auch wenn es nur etwas ganz Kleines ist … es kann sich summieren und groß werden. Ich nenne das: Das Friedensprinzip füttern. Vielleicht ist, das, was wir tun und sagen, weniger belanglos, als wir denken?
    Mit einer herzlichen Umarmung, Amrita

    Antworten
    • Anna Koschinski sagte:

      Liebe Amrita,
      danke für deine Gedanken, es tut gut, auch auf meine „Sprachlosigkeit“ eine Reaktion zu erhalten. Denn ich glaube, es gibt viele Menschen wie uns da draußen, die einfach nicht genau wissen, was jetzt „richtig“ oder „falsch“ ist. Also weitermachen und kleine Schritte gehen. Deine Idee mit dem Friedensprinzip finde ich toll. Denn klar: Auch Kleinigkeiten machen einen Unterschied. Karma.
      Ganz liebe Grüße und gute Gedanken zu dir
      Anna

  2. Carmen A.J.Teemer sagte:

    Danke Anna, für deinen Text. Du sprichst mir aus dem Herzen.

    Ich habe für mich entschieden genau so weiter zu machen. Ich lebe meinen Alltag, wenn auch mit einem ständigen bedrückenden Gefühl in mir.
    Ich weiß nicht was noch alles kommt und ich möchte nicht jetzt schon erstarren. Ich leiste meinen Beitrag zu der Situation indem ich versuche die Gedanken und Ängste meiner Mitmenschen zu sehen und anzunehmen und gleichzeitig mich aber nicht mit in die Angst treiben lasse. Das tut mir nicht gut.

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    • Anna Koschinski sagte:

      Liebe Carmen,
      danke für deine Bestärkung zu meinem Text. Die Situation ist fordernd, aber wir müssen damit umgehen. Und eben: Es hilft ja nichts, jetzt zu erstarren oder in blinden Aktionismus zu verfallen. Indem wir für uns sorgen und achtsam sind mit uns und mit anderen tun wir doch schon viel! Und nur, weil wir nicht in die Diskussion einsteigen, heißt das ja nicht, dass uns egal ist was passiert.

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