Jemand schreibt mit dem Stift in ein Notizbuch, man sieht nur die Hände auf dem Tisch, Titelbild "Befolge keine Schreibtipps", besser bloggen, regelmäßig schreiben, produktiv bloggen

Befolge keine Schreibtipps – schon gar nicht meine! Wie Schreiben dich zum besseren Blogger macht

Wann ist ein Text ein guter Text? 1. Er wird gelesen. 2. Er wird verstanden. Und 3. Er löst etwas aus bei den Lesern.

Was brauchst du also, um einen guten Text zu schreiben? Ein Verständnis für deine Leser.

Was brauchst du nicht? 1000 Tools, 30 Korrekturrunden oder 08/15-Rezepte für Blogartikel.

Ohne was geht es auf keinen Fall? Ohne schreiben.

Meine – manchmal unbequeme – Meinung: Inhalt vor Form. Textfluss vor Perfektion. Logischer Aufbau vor „das-funktioniert-immer-Schema“. Kein Text muss perfekt sein. Nur ansprechend und „perfekt“ für die Zielgruppe. Bloggen fängt beim Schreiben an.

Viele meiner Mentees und Kunden haben ein Problem mit dem Schreiben. Und das liegt nicht daran, dass sie nicht schreiben können. Im Gegenteil: Die meisten sind begabte Geschichtenerzähler, sie sind Experten für ihr Thema, können erklären. Und trotzdem kommen sie oftmals nicht über wenig ansprechende, schlecht lesbare Texte hinaus.

Ich gebe meinen Mentees keine Rezepte und keine Schablonen

Warum ist das so? Warum kriegen Schreiber:innen ihre Gedanken nicht sortiert und „aufs Papier“? Weil sie es nicht gelernt haben. Weil sie glauben, ein guter Text sei ein Text ohne Rechtschreibfehler, ohne Tippfehler und nach Schema xy aufgebaut. So wie früher, als wir im Deutschunterricht erklärt bekamen, wie man eine Erörterung schreibt oder eine Pro-Contra-Diskussion oder eine Sachtext-Analyse.

Dabei ist Bloggen viel mehr als nur ein Format bedienen. Bloggen kann so ziemlich alles sein. Aber vor allem ist es ein Gesprächsangebot an die Leser. Du schreibst nicht, um die Vorgaben deiner Deutschlehrer:in zu erfüllen, sondern um deine Leser zu erreichen, zu berühren vielleicht.

Wenn ich Text-Feedback gebe, dann mache ich auch Korrektorat. Aber das ist nur Nebensache.

Der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt nämlich darauf, meinen Mentees zu erklären, wie sie ihre Texte umstellen und umschreiben können, um eine bessere Lesbarkeit zu erzielen. Damit Leser in den Text hineingezogen und so festgezurrt werden , dass sie bis zum Ende dabei bleiben.

Ich sage ihnen nicht: Schreib das so und so – ich sage ihnen: „Hör mal genau hin – was macht das mit deinen Lesern? Wo stehen sie? Welche Informationen brauchen sie, um deinen Text zu verstehen?

Wenn ich über Rechtschreibfehler jammere, dann wissen meine Follower schon: Aha, der Text ist super, sie hat nichts zu meckern.

Besser als Schreibtipps: Sprache verstehen

Du kennst sicher diese ganzen Freebies und Schablonen, wie du deine Website gestalten sollst, wie du Blogartikel schreiben sollst oder „die perfekte Vorlage, damit dein Artikel viral geht“.

Wenn du diese Schablonen nutzt, dann kopierst du andere Blogger. Du verstehst aber nicht, warum diese Art von Artikel oder Landingpage oder wasauchimmer funktioniert. Daher wirst du vermutlich nicht den erwarteten Erfolg erzielen.

Was wirklich funktioniert, ist verstehen, wie Sprache wirkt. Warum bestimmte Überschriften geklickt werden und andere nicht so. Oder warum ein Satz nicht zu viele neue Informationen enthalten sollte. Oder warum die wichtige Information an den Anfang eines Satzes gehört (meistens jedenfalls).

Dabei musst du nicht in die Tiefe gehen und Texte wissenschaftlich analysieren, wie ich das früher im Linguistik-Studium gemacht habe. Du musst nur verstehen, wie Menschen Texte lesen. Wenn du das berücksichtigst, schreibst du automatisch bessere Texte.

Das erkläre ich meinen Mentees. Direkt an ihren eigenen Texten. Denn so funktioniert Lernen.

Verbessern geht nur im Schreiben

Ein anderes Problem vieler Schreiber:innen liegt darin, dass sie GLAUBEN, sie könnten nicht schreiben. Das haben sie mal gesagt bekommen. In der Schule, in der Uni, im Job, vielleicht auch in einer AG oder in einer Projektarbeit. Und nun glauben sie das.

Und sie glauben, sie müssten so schreiben, wie „man das halt so macht“ im Internet. Wie es in den Anleitungen steht und wie es auf den großen, erfolgreichen Blogs vorgemacht wird.

Was diesen Blogger:innen nicht hilft, sind Anleitungen. Sie brauchen einen Anreiz und Motivation zum Schreiben. Und dann brauchen sie Bestätigung.

Das ist das, was ich tue. Ich erkläre ihnen, dass Bloggen nur durch Schreiben funktioniert. Und ich sage ihnen, dass sie schreiben können. Du glaubst gar nicht, wie viel Stress da von ihnen abfällt, wenn sie anfangen, mir zu glauben. Wenn sie schreiben. Und Feedback bekommen.

Denn verbessern kannst du dich nicht, indem du Anleitungen liest. Sondern nur, indem du schreibst, reflektierst und verbesserst. Immer wieder. Dieser Prozess ist nie zu Ende. Mit jedem Text wirst du ein besserer Blogger oder eine bessere Schreiberin.

Daher lese ich nicht nur Korrektur oder mache Texte besser. Ich mache Schreiber:innen besser. Indem ich sie dazu ermächtige, besser zu werden. Und zwar, weil sie verstehen, wie ihre Texte funktionieren.

Bloggen ist so viel mehr als nur fehlerfrei schreiben zu können. Solltest du aber mit deinem Perfektionismus hadern, lies gern hier nach, warum dich Perfektionismus beim Schreiben nicht weiterbringt. Und falls du dir Unterstützung beim Schreiben wünschst: Hier geht es zum Text-Feedback und zur positiven Verstärkung 🙂

4 Kommentare
  1. Inge Schumacher sagte:

    Liebe Anna,
    es gibt anscheinend mehr Gemeinsamkeiten zwischen unseren so unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern, die sich zum Glück beim Bloggen treffen.
    Ich gebe meinen Klienten Feedback was sie schon alles richtig machen. Bei Energiearbeit und Arbeit an sich selbst ist das schwierig zu sehen. Ich kann ihnen spiegeln, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Diese Erleichterung meiner Klienten kenne ich auch.

    Und dieser richtige Weg ist nur für sie richtig. SIe können sich bei mir Inspirationen holen, aber was für sie passt das entscheiden alleine sie. Es gibt auch bei mir keine Schablone und keine 7 Punkte Anleitung zu einem glücklichen Leben, sondern individuelle Zusammenarbeit.

    Dann muss ausprobiert und experimentiert werden also gelebt werden. Wir schreiben das Leben eben selbst – genau wie unseren Blog,

    Antworten
    • Anna Koschinski sagte:

      Liebe Inge,
      ja das kann ich mir total gut vorstellen bei dir. Die Frage ist ja nur, worüber wir dann bloggen. Denn die Tipps ziehen ja unsere Zielgruppe an. In dem Stadium glauben sie ja, dass sie mit Tipps weiterkommen, dass sie es allein schaffen. Daher gebe ich Schreib-Tipps und versuche gleichzeitig, dazu anzuregen, seine eigenen Erfahrungen in den Vordergrund zu stellen. Manchmal nicht ganz einfach, aber nur so geht es in meinen Augen 😉

      Schön, dass wir uns im Schreiben begegnet sind – das ist unser Weg.

  2. Birte sagte:

    Liebe Anna, danke, ein schöner Ansatz! Es ist ja doch immer schwierig, sich den vielen Tipps zu entziehen. Einen Mittelweg zu finden wäre schön, denn man befolgt die Tipps ja unter anderem auch deshalb, weil man sich bestimmte Erfolge verspricht. Längere Verweildauer der Leserschaft zum Beispiel…
    Liebe Grüße
    Birte

    Antworten
    • Anna Koschinski sagte:

      Liebe Birte,
      ja natürlich – wir lesen die Tipps, um irgendwie besser zu werden. Das Problem fängt da an, wo wir vor lauter lesen nicht mehr schreiben. Denn Bloggen lernen wir im Schreiben. Du kannst noch so viel Wissen darüber haben, wie Bloggen funktioniert – wenn du es nicht ausprobierst, dann wird das nix. Die Verweildauer ist davon abhängig, wie verständlich dein Text ist und ob er neugierig macht. Das braucht aber Übung und keine 100 Strategien. Jeder Text macht dich besser.

      Liebe Grüße
      Anna

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